14.11.06

unialltag...

...denn schließlich bin ich ja (eigentlich) zum studieren hier!

wie ihr vielleicht schon gemerkt hab hab ich nicht mehr so viel zu erzählen - was daran liegt, dass sich so langsam ein ganz normaler unialltag einschleicht. so ist das halt wenn man nicht grade nach neapel fährt: man muss aufstehen irgendwann wenn man halt aufwacht, man muss so gegen nachmittag zur uni gehen, dasitzen, zuhören und dann wieder nach hause gehen. ist ja nicht so spannend als dass ich es jeden tag beschreiben müsste.

aber, doch, es gibt schon ein paar kleinere und größere unterschiede und seltsamkeiten hier die ich der erwähnung für würdig befinde, und damit verwirre ich euch jetzt mal.

die seltsamkeiten fangen bei der zahl der unistunden an. in deutschland hat man ja normalerweise 2 stunden pro woche pro veranstaltung. manchmal gibts auch eine einstündige vorlesung oder ein vierstündiges seminar - das dann aber nur alle 2 wochen stattfindet.
das ist hier anders!
es gibt keine veranstaltung unter drei stunden pro woche - bei mir ist es stattdessen noch mehr. ein dreistündiges seminar hat sich irgendwie mysteriöserweise auf vier stunden ausgedehnt, ich hab wohl nicht mitgekriegt wann das offiziell verlautet wurde, aber an einem tag ist es nicht mehr nach einer stunde vorbei sondern auch nach zwei.
mein deutsche-literatur-kurs bei meinem tutor geht sechs stunden die woche - drei mal zwei stunden.
dann habe ich einen anderen deutsche-literatur-kurs bei einer professorin, die nur alle zwei wochen in cagliari weilt. da ist also mal eine woche nichts und in der anderen woche wird alles aufgeholt - 12 stunden die woche. kein scherz! das würde ich gerne mal an der uni leipzig sehen, welcher dozent sich trauen würde 12 veranstaltungsstunden für die nächste woche zu verkünden und dann noch zu sagen „bitte auch zu jeder kommen“.

hier in italien ist ja schon das geniale bachelorsystem in betrieb. das heisst mal knapp gesagt studenten müssen durch klausuren und mündliche prüfungen am ende des semesters punkte sammeln und soundsoviel stunden dafür ablegen. wenn man seinen bachelor gemacht hat kann man sozusagen noch eine spezialisierung mit einem master obendrauf ablegen.

mein tutorkurs ist verwirrenderweise ein zusammengelegter kurs für bachelorstudenten und masterstudenten - die masterstudenten machen zwei stunden mehr pro woche. das führt dann desöfteren zu der tollen situation, dass wir dienstags mit den masterstudenten irgendwas machen und am mittwoch dasselbe dann wiederholt wird, weil ja die hälfte nicht dabei war, weils bachelorstudenten sind. wie überaus sinnvoll und effektiv!

ich habe zwar nicht verstanden wer wieso wieviele stunden machen muss um wieviele punkte zu verdienen; aber offensichtlich reichen für manche studenten 30 stunden. bei 6 stunden pro woche sind diese 30 stunden bald erfüllt - und die können dann einfach im laufenden kurs abbrechen und brauchen nicht mehr kommen, haben ihr soll ja quasi abgetan.

prüfungen am semesterende - „esami“ - sind meist eine klausur und vielleicht zusätzlich noch eine mündliche prüfung. bei meinem tutor darf ich eine hausarbeit schreiben, etwas völlig unitalienisches. er hat sogar erzählt dass manche dozenten keine hausarbeiten schreiben wollen, weil sie finden dass das zu wenig arbeit für die studenten ist, verglichen mit der vorbereitung auf eine klausur. aha!?

ich hab auch noch nicht herausgefunden, ob es eine unterscheidung zwischen seminaren und vorlesungen gibt. irgendwie sind das alles eher seminare, in denen der dozent aber die ganze zeit doziert und vielleicht drei mal irgendwas fragt. als student muss man eigentlich nichts machen außer am ende das esami bestehen - ich hab ja schonmal erwähnt dass man nicht mal an den veranstaltungen teilnehmen muss, man kann hingehen und einee klausur schreiben ohne auch nur einmal da gewesen zu sein. referate oder sonstwas sind, in meinen veranstaltungen jedenfalls, nicht vorhanden und auch diskussionen nicht wirklich.

ich habe mittlerweile beschlossen dass es mir wurscht ist was ich bestehe oder wieviele punkte ich hier mache. offiziell habe ich ja die vorgabe, 30 ects-credits - european credit transfer system oder so - zu machen, denn sonst - ja! sonst anscheinend garnix, denn niemand weiss was genaues, nirgends steht was, an jeder uni funktioniert der erasmuskram anders, ganz zu schweigen von jedem LAND. es kursieren gerüchte dass man sein erasmustipendium zurückzahlen muss, sollte man seine punkte, die man ja vertraglich im hochwichtigen learning agreement mit 4 unterschriften brav abgesegnet hat, nicht erfüllt. ich glaube mittlerweile das ist alles nur drohnung, damit die studenten nicht NUR in der sonne sitzen, sondern auch ein bisschen uni ableisten (das glaubt auch mein tutor, der mir in creditfragen auch nicht weiterhelfen kann und noch unwissender ist als ich).
und im endeffekt habe ich noch von jedem erasmusler bisher gehört das am ende kein schwein die punkte sehen wollte, und das man sein geld zurückzahlen muss steht auch nirgends. also. ich mache ja was, aber sollte ich am ende durch eine prüfung fallen - auch gut! das wollte ich nur mal gesagt haben.

was noch? es gibt keine tische. nur stühle mit so klapptischchen, die etwa die größe meiner beiden handflächen haben. liebe uni leipzig, die ihr grade umbaut: wie wärs mit sowas für die neuen räume? dann sparen wir uns zumindest das tischeraustragen in germanistikseminaren.