20.12.06

drittelzeit

so, nun folgt die weihnachtspause!
morgen früh begebe ich mich auf dieselbe reise wie lisa und frank letzte woche – cagliari-olbia per zug (hoffentlich reibungsloser) und dann olbia-berlin per easyjet. dann bleibe ich eine nacht in potsdam und ab freitag abend bin ich zuhause!

und dann beginnt das ferienprogramm, von dem ich noch nicht so ganz einschätzen kann ob es mehr entspannend oder schmerzhaft wird. ich will zum friseur und schwimmen und in die sauna und katzenbauch kraulen und pferdeschnauzen knutschen und mit lucy auf dem küchenfußboden rumrollen und vor dem kamin schlafen und h&m besuchen, dass es hier nämlich nicht gibt, und endlich mal wieder pferdemist karren und schneematschgaloppausritte machen – und da beginnt dann wohl der schmerzhafte teil. ich hab neulich fünfzwanzig situps gemacht weil ich dachte es müsste sein, und seitdem tut mir immernoch der nicht mehr vorhandene bauchmuskel weh. und ich habe überlegt, dass ich glaube ich seit ich 9 bin oder so nicht mehr so lange nicht auf nem pferd gesessen hab. reiten und auch schwimmen wird nicht leicht werden!

apropos sport und schmerz. pünktlich bevor ich erstmal wegfahre habe ich nun auch die universitären sportlichen möglichkeiten entdeckt, die es doch gibt, und bin mit janika ins palestra gegangen, was turnhalle heißt und an dessen tür „sala body-building“ geschrieben steht. das kostet einmalig 2 euro, dann kann man da rein, und nach 2 euro sieht es auch ein bisschen aus. nächstes mal habe ich jedenfalls keine hemmungen meine vom wandern unkenntlichen joggingschuhe anzuziehen. da stehen die ganzen foltergeräte wie butterfly, beinpresse, leg curler und so, und ab nächstes jahr werde ich da hinpilgern und anschließend, so lautet der vorsatz, draußen auf der aschenbahn joggen. jawohl.

außerdem sind plötzlich fast alle unikurse zuende ohne dass ich es so richtig gemerkt habe; nur noch zwei sachen gehen für so ungefähr je 4 stunden weiter nach weihnachten. also habe ich nach weihnachten noch 8 stunden uni. das finde ich schon lustig, aber der ehrlichkeit halber muss man sagen dass wir hier ja auch nicht nur 2 stunden die woche machen, sondern drei bis sechs. also hat man das semestersoll eben auch schneller erfüllt. im januar und februar werde ich mich deshalb wahrscheinlich hauptsächlich mit ausschlafen beschäftigen und dann zwei esami und eine hausarbeit schreiben.
außerdem bedeutet das, dass für viele hier die zeit in cagliari schon fast vorbei ist, weil sie nur ein semester erasmus machen und im februar-märz wieder nach hause fahren, und ich hab auch schon ein drittel der zeit um. erst dachte ich ja, 10 monate bzw 11 mit siena sind vielleicht doch zuviel, aber jetzt bin ich ganz froh dass es noch nicht zu ende geht. bis man sich richtig eingelebt hat dauert es ja doch ne ganze weile und vor allem hab ich jetzt so viel gesehen, das ich im frühling und sommer nochmal besuchen will!! ich freu mich also auch drauf nach weihnachten wiederzukommen und noch ein bisschen zu bleiben.

allora, BUONE FESTE, wie man hier sagt und auf einkaufstüten schreibt, und bis nächstes jahr!




15.12.06

essen a-z II

ich habe mittlerweile schon wieder so viele neue erkenntnisse, dass es gut für ein zweites a-z reicht! seid also bereit für eine weitere einführung in die sardische küche.


A
artischocken. habe ich jetzt probiert, mjam! in wasser mit einer zitrone kochen und dann soll man wohl eigentlich die blätter abreißen und die weichen enden auslutschen – fast wie vegetarisches zutzeln also! wir haben die blätter aber ganz und mit dip gegessen.

B
büffelmozarella. schmeckt anders, ein bisschen saurer, auf jeden fall intensiver. ich finde ihn jetzt aber nicht sooo gut, dass ich fast das dreifache von einem normalen mozarella dafür ausgeben muss...

C
casu marzu. im reiseführer gelesen, und als beweis dafür, dass wahrlich nicht alles appetitlich ist, was man hier so essen kann, schreib ich es euch ab – das will ich euch nicht vorenthalten.

„casu marzu: verdorbener käse zur hochzeit
eine kuriosität aus der geschichte der käseherstellung ist der „casu marzu“, dessen verkauf mittlerweile längst verboten ist – auf großen familienfesten, banketten etc. wird er aber noch gelegentlich gereicht. ein pecorino wird in der sonne liegen gelassen, bis in seinem inneren die larven hunderter kleiner maden quartier bezogen haben. die produzierten enzyme bringen den käse zum gären und verwandeln ihn in eine zähflüssige, braune masse, die auf der zunge brennt, während die maden lustig auf dem tisch herumspringen.... kein wunder, dass dem casu marzu auch aphrodisierende wirkung zugeschrieben wird – wer diese prozedur aushält, ist sicher zu noch mehr fähig.“
buon appetito!

D
döner: gibts fast gar nicht, bisher wurde nur ein dönerladen gesichtet. überhaupt ist döner mittlerweile fast typisch deutsch, glaube ich. gutes beispiel: in einer kneipe haben wir mal einen italiener getroffen, der erzählte er sei im sommer zwei wochen in berlin gewesen. gefragt, ob er auch ein bisschen deutsch gelernt habe, hat er kurz überlegt und dann geantwortet: „döner kebab!“

E
erdbeerbaumfrucht. meiner meinung nach unterschätzt, schmeckt nämlich wirklich gut, zumindest die ganz reifen früchte. der reiseführer lügt eindeutig, wenn er sie als „nicht besonders schmackhaft“ abtut. ich empfehle also in die welt zu ziehen und erdbeerbaumfrüchte zu essen. (und mir danach über evtl. folgen für die verdauung zu berichten – darüber bin ich mir nämlich noch nicht so klar!)

espresso. ich kann verkünden dass ich es jetzt schon ein paar seltene male geschafft habe das zu trinken! aber nur wenns nur ein schluck war, mit zwei teelöffeln zucker. aber ich finde eine annäherung findet statt.

F
focaccia: schwer zu beschreiben. irgendwie wie brot, das mit pizzabelag belegt wurde; gibts kalt oder warm, mit salat drauf oder überbacken. hier wie auch in siena sehr verbreitet und schmeckt auch gut.

G
granatapfel. ein obst, an dem man zwei dinge verändern sollte: erst sollte man es irgendwie einfacher zu essen machen, und es dann mehr in deutschland verbreiten. schmeckt nämlich sehr gut. ist bestimmt auch sehr gesund, weil man alle enthaltenen kalorien schon dabei verbaucht, die kerne rauszupulen.

H
heiße schokolade, „cioccolata calda“. was hier darunter verstanden wird, würde man in deutschland als pudding bezeichnen! wir waren jedenfalls sehr überrascht, als wir neulich am strand eine tasse leckere zähflüssige masse vorgesetzt bekamen, haben aber mittlerweile gelernt, dass das hier immer so ist. wird von nun an häufiger von mir konsumiert werden.


honig. ganz allgemein nicht sooo besonders anders als in deutschland; gibt halt ein paar andere sorten, so wie orangenblüten und eukalyptus.
wirklich anders dagegen: saba di miele – gekochter honig. haben wir zuerst in meana sardo beim honigtesten gesehen, kann man aber auch so finden. der honig ist flüssig und hat eine ganz dunkelbraune farbe, und zwar, weil er eben ein paar stunden lang gekocht wurde. schmeckt ein bisschen intensiver.

K
kasse im supermarkt. unglaublich bescheuert gemacht, überall: das laufband mit den bereits gescannten waren ist so intelligent vom gang, durch den man den einkaufswagen schiebt, abgetrennt, dass man erst bis ganz vorne muss, um seine sachen wieder einzupacken. hier ist man dann aber drei meter von der kassierin entfernt und muss sich halb selbst aufs band legen, wenn man bezahlen will. außerdem sind diese lahmarschigen kunden vor einem hier noch schlimmer als in deutschland. bis die mal platz gemacht haben ist ein jahr vergangen. außerdem nehme ich immer die langsamste kasse, das muss genetisch sein.

L
limoncello. der andere sardische likör, aus „den früchten des limonenbaums“, lehrt mich der reiseführer. ob das jetzt limonen heißt weiß ich nicht, aber es sind jedenfalls zitronen auf der flasche abgebildet.

M
meeresfrüchte. achtung, gefahr: bei fisch muss man hier immer auch an meeresfrüchte denken. fisch mag ich ja eigentlich alles, aber muscheln (cozze, so ein passender name!) und so und diese kleinen tintenfische mit den ekligen noppies an den beinen, bah, echt, ahh, also nee. da kann ich ja schon fast nicht hingucken. und dann haben mama und ich mal eine platte mit gemischtem gegrillten fisch bestellt und was war...? genau....

mirtho. DER sardische likör. kann mir kein urteil erlauben weil ich sowas ja nicht trinke und wenn doch es trotzdem nicht mag. muss man aber wissen.

O
opuntie. dem gemeinen nichtbotaniker auch als feigenkaktee bekannt; sehr häufig hier anzutreffen, früher wurden damit felder und gärten „gezäunt“. die früchte kann man auch im supermarkt kaufen, und wir haben ja auch ein blatt geerntet. davon haben wir einen kleinen schnitzer probiert – schmeckt nach irgendwas das wir kennen, aber wir konnten es nicht definieren. gurke oder so!? naja. ich werde vielleicht nochmal einen versuch mit einer frucht aus dem supermarkt starten. irgendwann.



P
pane carasau. das traditionell sardische hirtenbrot, ein trockenes und sehr dünnes fladenbrot. gibts auch im supermarkt zu kaufen, ich habs aber erst neulich bei dem monsteressen mal probiert und es als chipsersatz entdeckt. knirscht schön und schmeckt auch nicht schlecht. als brot kann ich es allerdings nicht anerkennen. ich hab da ja so meine maßstäbe wie ihr wisst.

panettoni. italienischer weihnachtskuchen, der im supermarkt momentan einige quadratkilometer an fläche einnimmt - und zwar sehr zu unrecht, wie ich seit dem abendessen bei rita weiß. da haben die italiener wirklich bessere kekse und kuchen aufzufahren, und zwar das ganze jahr über. aber vielleicht ist es auch der „zu weihnachten sind wir bescheiden und essen nur ganz einfache kuchen“-kuchen!?



pornos. gehört zwar nicht wirklich zu den grundnahrungs-, oder überhaupt lebensmitteln, finde ich aber bemerkenswert: gibt es hier nämlich auf der straße an den ganz normalen kiosken – quasi neben mickymaus-heften....

R
reinheitsgebot mal anders: zur käseherstellung darf hier keine kuhmilch verwendet werden!

S
sahne. hab ich noch nicht gesehen, nur in der spraydose als fertige schlagsahne. alles was es gibt ist „panna cucina“, und das ist eher so eine art schmand im tetrapack. daher kann ich hier bisher leider keine torte backen.

spanferkel, „porcheddu“, das sardische nationalessen. frank hat gesagt spanferkel soll immer so schmecken, also sage ich es allgemein: ich mag kein spanferkel. das schmeckt, also, irgendwie nach schwein!

T
tee. auf dem gebiet des tees sind die italiener irgendwie unterentwickelt. das teeregal sieht zwar von der größe her ok aus – besteht aber zu einem drittel aus schwarzem tee (vor allem english breakfast) und ungelogen zu einem weiteren drittel aus kamillentee. das letzte drittel teilen sich alle anderen tees. es gibt tausend sorten kamillentee!! wer soll das trinken?

tabacchi. sehr wichtiger laden nicht nur für raucher. hier kauft man zigaretten und feuerzeuge, aber auch bustickets, telefonkarten, schokoriegel, briefmarken und briefumschläge, manchmal auch postkarten und souvenirs, und man spielt lotto.
rauchen ist in italien seit ein paar jahren übrigens in allen bars und restaurants verboten!


W
weihnachtsmarkt. haaaahahahaha, sag ich nur. glücklicherweise dauert das desaster hier auch nur 10 tage. und wenn man was verpasst hat, kauft man es eben im laden 200 meter weiter.

wurstel. das ist die bezeichnung für alle möglichen arten bockwurst- und wiener würstchen-ähnlicher gebilde. auch auf pizza gebräuchlich (in scheiben – pizza wurstel). alle glauben das sei sehr deutsch und vor allem ein deutsches wort. ich habe die engländer erstmal aufgeklärt. das ist ja höchstens deutsch-ähnlich, das wort.

Z
zucchiniblüten. probieren. gibts auch auf pizza (schonmal zusammen mit wurstel gesehen!), ansonsten hab ich keine ahnung was man damit tun soll. aber ich glaub jetzt muss ich bis nächstes jahr warten, hab schon lange keine mehr gesehen.

ziegenmilch. gibts im tetrapack als h-milch. auch als halber liter! was ich alles probieren muss!

14.12.06

wieder allein!

es ist donnerstag, lisa und frank sitzen im flugzeug, es pisst, ich muss heute ganz viel in die uni und nachher meine tandempartnerin elisabetta treffen, um ein bisschen italienisch zu sprechen - aber es soll euch auch bericht erstattet werden.
montag habe ich den besuch ausschlafen lassen und das auto weggebracht - mittlerweile bin ich da so ein stammkunde, dass sie mir glauben wenn ich den tank nicht vollmache und dann sage, gestern sei er aber voll gewesen. er war aber auf jeden fall voller!
nachmittags dann ein obligatorischer cagliari-schöneviertelbesuch und einkaufsbummel, der etwas frustriert endete, weil frank einem räucherstäbchenhalter aus speckstein einen leichten schaden zufügte und ihn dann kaufen musste. zum kauf von hässlichen und unnützen geräten gezwungen zu werden ist doof.


dienstag sind wir per bus und ohne fahrrad zum monte sette fratelli- park aufgebrochen, um pilze zu finden. anfangs haben wir innerlich schon bei der aussicht auf vier stunden freilauf geächzt (ich habs genau gehört, frank), aber es wurden dann sechs gut gefüllte stunden draus. mit gärtnern in einen wald gehen ist eben was anderes als mit nici.
wir haben leider keine halbwilden schweine getroffen, dafür viele erdbeerbäume.


mama hat ja schon den test gemacht und bewiesen, dass zumindest kein toxischer sofortschock auftritt wenn man die isst, also haben wir es auch mal probiert. und siehe da, die schmecken echt lecker, irgendwie wie pfirsich! allerdings waren wir misstrauisch, weil, wenn das ein wohlschmeckendes und ungiftiges obst wäre, würde man es ja vielleicht auch mal irgendwo zu kaufen sehen, oder? also haben wir uns zurückgehalten, stattdessen kunstwerke daraus gebaut und pilze eingesammelt.





später haben wir im reiseführer gelesen, erdbeerbaumfrüchte wären essbar, aber wenig schmackhaft, und haben uns geärgert. die pilze sind uns dank der leeren gasflasche zuhause auch nicht wirklich schmackhaft geglückt und sie haben ein trauriges ende im klo gefunden.
dafür hat frank seine aggressivität rausgelassen und das specksteinmonster von gestern aus zwei zentimetern höhe auf den boden geschmettert. das war so lustig dass er das noch ein paar mal wiederholt hat, und damit waren wir das viech auch los.

und gestern sind wir nochmal an den poetto, um muscheljagd zu machen. wetter war wieder schön, aber auch schön windig am strand, und wir haben herausgefunden was man hier unter heißer schokolade versteht.



zurück in der stadt sind wir nochmal auf den weihnachtsmarkt und in jeden afrikaladen gegangen den wir finden konnten, und wir konnten ziemlich viele finden.

abends mussten wir (alle, die gesamte wohnungsbelegung) dann einer einladung von rita, meiner vermieterin, folgen und zum porcheddu-essen kommen, dem sardischen spanferkel. sie hat noch ein paar andere ihrer adoptierten kinderchen eingeladen und für lisa extra was anderes gekocht - es wurde dann auch ganz erträglich, und vor allem ritas katze hat für aufsehen gesorgt. rita schätzt sie auf 6 kilo, ich auf mindestens 15, und lisa schätzt sie ist ein befelltes hängebauchschwein.

frank und lisa sind dann heute morgen ganz früh mit dem zug (und einem anderen zug, und dann einem bus... nahverkehr auf sardinien!) nach olbia. schööön wars!
nach drei wochen dauerbesuch kann ich mich jetzt noch eine woche erholen (also man schlafen und so) und dann gehts über weihnachten nach deutschland, was auch schoen ist. freu mich schon auf euch alle und auch auf meine pferdchen. ich kriege schon pferdchenanfaelle wenn ich hier welche sehe, was unnormal ist, weil ich normalerweise nur meine eigenen pferdchen so richtig toll finde. soweit ist es also schon.

11.12.06

begegnungen

lisa und frank sind da! am donnerstag abend sehr pünktlich beim busbahnhof abgeholt und am freitag morgen gleich wieder ins auto gesetzt, um nach villasimius zu fahren. juchu!


villasimius liegt im südosten von sardinien, an der ecke sozusagen, und hat tolle strände und ein cap namens carbonara. wir hatten am freitag auch noch tolles wetter und sind so langsam von cagliari nach villasimius gefahren, mit zwischenstops an ein paar anderen stränden und buchten. villasimius ist aber nicht umsonst so hochgelobt - schon schön!



lisa und frank sind ja gartenbauer und deshalb heißt es ständig „oh guck mal, strelitzie! und da, opuntie! ahhhh, ein allium, schnell, buddel das aus! hier, paeonia!“ unterwegs haben wir mandarinen von mandarinenbäumen an der straße geklaut, leider nur schlechte mandeln und gar keine feigen, dafür puschelgräser gefunden und eine opuntie geerntet, das ist nämlich eine feigenkaktee, die hier ja überall wachsen - eine rote frucht und auch ein blatt. frank hat nämlich mal gesehen das man das essen kann.
danach sind wir noch weiter nach norden, die costa rei hoch, und dann nach ein paar verwirrungen in der straßenfindung zurück nach cagliari, zu ein paar anderen verwirrungen in der straßenfindung.
glücklich zuhause angekommen, war es den gärtnern dann zu peinlich das kaktusblatt in der küche, wo die anderen sind, zu operieren und zu essen, deshalb liegt es jetzt noch in zeitung gewickelt hier rum und wartet auf seine stunde. mal sehen. die frucht haben wir lieber doch lieber auch nicht gegessen.

samstag haben wir uns dann nach bosa aufgemacht. aufstehen war sehr schwer, ich muss mal wieder ausschlafen! spätestens die polizeikontrolle auf der schnellstraße hat uns dann aber alle sehr gründlich aufgeweckt. ich dachte die halten uns an weil ich zu schnell war, und frank dachte ich schaffe es gar nicht mehr vor dem polizisten anzuhalten. ich musste auch ziemlich bremsen. der wollte dann aber nur führerschein und fahrzeugpapiere sehen und dann hat er uns wieder freigelassen. das war ein schöner adrenalinschock.
danach begann der tag der begegnungen. zuerst sind wir einem kuhtreiber begegnet.


sehr bald danach einer herde schafen mit ihrem hirten und etwas später den beiden hirtenhunden, die dazugehörten. außerdem einem in einen müllsackähnliche regenkleidung gehüllten eselreiter, der uns sehr pittoresk entgegengeritten kam.
nach einem nicht sehr erfolgreichen spaziergangsversuch in einem eichenwäldchen und einem zwischenstop in cuglieri, wo wir eine schöne aussicht bis ans meer der westküste hatten, erreichten wir dann am frühen nachmittag bosa - ein fischerdorf am temo, dem einzigen schiffbaren fluss sardiniens. bosa liegt etwa drei kilometer landeinwärts an der westküste und wird oft als schönste stadt sardiniens bezeichnet.


nach einem bankpicknick am fluss haben wir das überprüft und sind ein bisschen durch die stadt gelaufen. mittlerweile gabs auch wieder ein bisschen sonne - der tag war sehr viel kälter als der vortag und es hatte auch ein bisschen geregnet. bosa war wirklich schön. allerdings, wie normal zu dieser uhrzeit, auch sehr ausgestorben.
einquartiert haben wir uns in einem agriturismo inmitten toller oliven- und orangenhaine, hach, im frühling hin!!




bei einem spaziergang in den feldern (artischockenfelder!) haben wir dann die nächste begegnung des tages erlebt, und zwar mit dem bestimmt größten regenwurm der welt.


danach sind wir wieder in die stadt - was dann eine erfolglose und äußerst ermüdende suche nach essen wurde. in italien kriegt man nämlich abends nicht vor halb acht was zu essen, und selbst dann ist man noch sehr alleine im restaurant. um halb sechs, als wir so langsam hunger hatten, war einfach alles noch zu.
nach ewiger suche gaben wir auf, um in unserem bettchen unsere beine zu entspannen und später nach italienischer zeit zu essen. aber dann gabs leckere pizza und tiramisu zur belohnung und weil wir fast verhungert wären.

sonntag sind wir von bosa nach fonni ins gebirge gefahren, mit zwischenstop in macomer, um einen blick auf eine treckermesse zu werfen. ein blick genügte uns aber auch wirklich.
fonni ist das höchstgelegene dorf auf sardinien, und da war an dem wochenende „autunno in barbagia“ mit sowas wie tag der offenen tür - dasselbe, was wir in meana sardo besucht haben, als verena da war! also überall essen und wein probieren, käse und wurst kaufen, die einwohner in ihren trachten, vorführungen der alten häuser, zimmer, gegenstände und traditionen. leider war es heute echt kalt und wir waren ja noch dazu auf 1000 meter höhe.
außerdem sprangen einem immer touristen ins bild!


es war zwar nicht so herzlich wie in meana sardo (obwohl es eine ehre war, das wir dawaren, wie uns gesagt wurde), aber es war trotzdem schön und interessant und wir sind vier stunden rumgelaufen, ohne ein einziges haus zwei mal zu sehen. es gab auch murales und frank hat ein paar freunde gefunden.



und die sarden sind echt klein, was besonders diese haustür verdeutlicht!


nachdem es dunkel wurde, machten wir uns wieder auf den langen heimweg.

7.12.06

was ich schon immer mal sagen wollte

zebrastreifen!!

ein phänomen, auf das man als italienbesucher vorbereitet sein sollte, sind die zebrastreifen. hier in cagliari massenhaft vorhanden, gerne drei bis vier auf einer straßenlänge von ca 50 metern ohne kreuzungen. man könnte also den eindruck bekommen, cagliari sei eine sehr fußgängerfreundliche stadt.
die benutzung ist allerdings nicht so leicht wie man sich das zunächst denkt. während einem das langsame heranfahren und bremsen in deutschland ja schon als fahrschüler in fleisch und blut übergeht und viele autos bereits anhalten, wenn man sich nur im umkreis eines zebrastreifens befindet, muss man hier einen gewissen todesmut entwickeln - denn wenn man hier am straßenrand wartet, bis die autos anhalten um einen über die straße zu lassen, kann man lange warten. das tun autofahrer hier nicht, und wenn dreimal offensichtlich ist, dass man über die straße will. stattdessen muss man einfach losgehen, und zwar möglichst ohne sich umzublicken und vor allem ohne zögern, denn das geringste zögern wird dann vom autofahrer genutzt, um doch noch schnell 30 zentimeter vor einem vorbeizuziehen.
die ersten wochen waren für mich echt schwierig, weil ich ja ein bisschen geschädigt bin, seit ich in leipzig mal fröhlich vor oder besser in ein auto gehüpft bin. seitdem bin ich beim straßenüberqueren ein bisschen schisserig gewesen, und es hat ne weile gebraucht bis ich hier auch kein herzrasen mehr kriege, wenn ich mitten auf dem zebrastreifen von drei bis vier autos vor, hinter und neben mir umgeben bin, die alle nur grade so viel gebremst haben, wie es nötig ist um mich nicht umzumalmen. und so handhaben es ALLE, ohne übertreibung - rollerfahrer, autofahrer, busfahrer, und neulich hat mich sogar ein blöder carabinieri ganz knapp geschnitten, als ich mitten auf der straße war.

man könnte jetzt fragen, wozu die zebrastreifen überhaupt gedacht sind, weil es ja eh keinen unterschied macht, ob man dort oder woanders über die straße geht. meine theorie: zebrastreifen sind die zonen, wo man zwar genauso leicht überfahren werden kann, dann aber wenigsten nicht schuld ist. hoffentlich.

4.12.06

zwei steinfelsen und ein berg essen

wieder ein wochenende rum, wieder weit rumgekommen!

wir haben uns wieder für zwei tage ein auto gemietet und haben diesmal tagestouren gemacht, also mit abends nach hause zurückkommen.
am ersten tag wollten wir eigentlich auf die kleine insel san pietro im südwesten von sardinien fahren. nachdem wir dann aber zwei mal die fähre um 5 minuten verpasst haben ( in der wartezeit waren wir eine steilküste runtergegangen und sind nicht schnell genug wieder hochgekommen...), haben wir umdisponiert und sind an die bucht von buggerù gefahren, etwas weiter nördlich, südlich von der costa verde, an der wir ja schonmal waren.



dort sind wir erst an einem sandstrand ausgestiegen und haben ein bisschen muscheln gesucht. nach ein paar minuten hatten wir dafür begleitung in form von gigi leone, ein offensichtlich sehr gelangweilter älterer mann, der sich die aufgabe auferlegt hatte uns die größten muscheln suchen zu helfen und mit uns am strand langspaziert ist. das war erst wirklich ganz nett, irgendwann wurde es aber (mal wieder) zu nett, er fing nämlich an uns einzuladen, dass wir bei ihm zuhause korallenstücke abholen, die er mal am strand gefunden hat. die wollte er uns zum trost schenken dass wir jetzt keine finden.
wir sind dann weitergefahren zu einem kap in der nähe und haben erstmal mittagspause gemacht - in der zeit hat gigi die korallen zuhause geholt und ist uns hinterhergekommen, um sie uns wie versprochen zu überreichen. dann hat er uns aber in ruhe gelassen unter der bedingung, dass ich, wenn ich wieder mal komme (was er etwa 15 mal gefragt hat) nach ihm frage, denn ihn kennt in der gegend eh jeder.

jetzt konnten wir in ruhe das kap pecora beklettern: einen dicken rundlich geformten granitfelsen, auf dem man toll rumsteigen konnte. drumrum im wasser klebten ganz viele seeigel.



wir sind auf dem felsen dann eine ganze zeit bis zum sonnenuntergang geblieben - die steine waren schön angewärmt. 2. dezember!



danach haben wir noch einen kleinen abstecher nach iglesias gemacht, auch schon bekannt, und sind dann nach hause.


am nächsten tag dann aber isola di san pietro. die erste fähre haben wir wieder genauso knapp verpasst wie am tag davor, aber es fuhr dann eine halbe stunde später die nächste. die überfahrt dauert eine halbe stunde. dort haben wir dann erstmal das fischerdörfchen carloforte beguckt und uns gewundert, dass es tatsächlich genauso war wie im reiseführer beschrieben - überall fließt waschwasser auf den straßen und es riecht nach frischer wäsche. sehr sauber und ordentlich.

von dort ging es zu den aus dem meer ragenden steinsäulen „le colonne“ an der steilküste der insel. die insel ist zwar flach und an der höchsten stelle nicht höher als 220 meter, aber es gibt wenig badebuchten oder strände - fast überall steilküste. viele bauernhäuschen stehen verstreut in der gegend herum und es gibt mit steinmäuerchen abgetrennte felder und kuhweiden. auf dem weg über die insel zur anderen seite sind wir durch einen pinienwald gekommen, und dahinter lag wieder eine völlig andere landschaft. am ende kamen wir in die kleine bucht cala fico, und hier war eine unglaubliche ende-der-welt-stimmung.



die steinfelsen um die bucht waren kaum bewachsen, die bucht sehr windstill und ruhig, das einzige was man hörte war das gekreisch von lauter möwen, die hier wohnen. dann sind wir einen der steinfelsen hochgestiegen, grünen punkten nach, und der felsen war wirklich irre. keine ahnung was das für ein gestein war, irgendwie vulkanisch, und der felsen war ganz unterschiedlich und bizarr geformt. man musste ein bisschen vorsichtiger klettern als gestern auf dem granitblock, weil es viel geröll und spitze kanten gab. je weiter hoch wir kamen umso seltsamer wurden die formen und auch die farben änderten sich - erst war es eher schwarzes gestein, dann aber auch orangebraun, hellgrau und beinah rosa.





schließlich setzten wir wieder über und fuhren nach hause - zu einem sehr besonderen essen!

das restaurant war ein tipp von joanne, und war genau das richtige an dem tag, mit ganz viel hunger. da funktioniert das nämlich so:

man kommt hin und wird höchstens gefragt, ob man stilles wasser oder frizzante will. dann setzt man sich und das menü geht los.
zuerst gibt es vorspeisen, die üblichen verdächtigen: gebratene zucchini und auberginen, artischocken, karotten, pilze, tomaten und anderes gemüse; verschiedene sorten wurst, schinken, käse und brot, auch das sardische fladenbrot.
dazu gibt es die ganze zeit wein, der auch immer wieder nachgefüllt wird.
danach der zweite gang: sardische nudeln. einmal große ravioli mit ricotta gefüllt, außerdem ganz kleine runde nudeln, die wie erbsen aussehen.
schon jetzt könnte man durchaus genug haben!
weiter gehts mit dem zweiten gang, verschiedene sorten fleisch. (erster gang sind immer nudeln oder reis, also kohlenhydrate - der zweite gang fleisch oder fisch, also eiweiße.) beilagen sind in italien nicht so üblich wie bei uns, es gab also keine kartoffeln oder soße oder so, sondern frisches gemüse, rohkost sozusagen: tomaten, radieschen, sellerie.
danach folgen obst, sardische süßigkeiten als dessert, der sardische likör limoncello und natürlich ein espresso, und dann ist man so vollgegessen, das wirklich nichts mehr geht.

eine wie ich finde sehr gute gelegenheit, italienisches bzw. sardisches essen kennenzulernen - ich schaetze meine besucher werden da alle mal hinmuessen.